17 February 2015

Abschied nehmen

Für mich naht das Ende der Schulzeit.
Ein lang herbeigesehnter Tag.
In meinem Kalender habe ich die Tage runtergezählt, bis zu dem Tag, an dem ich mein Abi in der Hand halte.
Auf meinem Handy ist ein Countdownrechner installiert, der mir sagt, wie viele Tage es noch bis meinem letzten Schultag sind.
Bei jeder Klausur, die ich jetzt noch schreibe, denke ich "Das ist die letzte meines Lebens!". Und bald werde ich wirklich die überhaupt allerletzte Klausur meines Lebens schreiben.
Ich gehöre zu den Menschen, die Schule sicher nicht vermissen werden, entgegen aller Voraussagen. Schule ist für mich ein erzwungener Käfig, in den ich jedoch jeden Tag trotzdem mehr oder weniger freiwillig gehe. In der Schule wird man wegen allem möglichen schief angeguckt. Man muss Dinge tun, die man freiwillig niemals machen würde. Es wird erwartet, dass man immer fröhlich und gut gelaunt ist. Lächelt man nicht durchgehend, wird man gleich als arrogant abgestempelt. Als jemand, der sich für was besseres hält. Lächelt man zu viel, schleimt man rum. Ist man gut drauf, nervt man.
Es gab Zeiten, das ist es mir leicht gefallen, mich dem anzupassen und es zu akzeptieren. Dass man nun mal mit Leuten befreundet ist, die in der "Gruppe" sind, wie man selbst.
In den letzten Jahren bin ich aus diesen Zäunen ausgebrochen. Ich trage nicht die Klamotten, die andere Tragen. Ich lächle, wann ich will. Im Unterricht bin ich der stille Zuschauer. Ich lache laut, wenn ich was lustig finde. Laufe mit einem Pokerface durch die Gänge. Ich bin unsichtbar geworden im Laufe der Jahre.
Aber meine Freunde sind aus allen Gruppen, und das ist gut. Ich mag, dass ich Menschen kenne, die mich mitten in der Nacht besuchen, mit mir durch die Straßen kurven, mir abends essen bringen und und und. Und auch, wenn ich mich an vielen Abenden einsam fühle, irgendjemand ist sicher immer da. Und wenn es nur auf whatsapp ist.
Viele dieser Menschen hab ich erst in den letzten Wochen kennengelernt, und das macht mir den Abschied von der Schule langsam schwerer. Nicht jeder bleibt hier, so wie ich. Im Gegenteil - die meisten verschwinden. Und auch, wenn der Großteil nach einem halben Jahr wieder um mich sein wird, so werde ich die Daheimgebliebene sein, und ich hab Angst davor, wie sich alle verändern werden. Großartige Geschichten erzählen. Mich belächeln, weil ich eben nicht den Mut hatte, von hier weg zu gehen.
Aber ich glaub, das ist okay.
Pick up my personal pieces
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6 comments:

  1. Hallo Carla :)
    Was ein schöner, gedankenreicher Post. Ich hab 2014 mein Abi gemacht, also schon fast vor einem Jahr (was ziemlich krass ist). Ich kann mich genau daran erinnern, wie ich die Schule gehasst habe. Ich denke, ich hab da manchmal so wie du gedacht. Diese unfähigen Lehrer, die teilweise echt unnötigen Themen, der Leistungsdruck, die "Gruppen", etc. - "I feel you". Und mir haben alle immer gesagt (zB auch auf Instagram): Du wirst die Schule vermissen, ich vermiss sie auch! - ganz ehrlich? ich hab sie noch nicht eine Sekunde vermisst, nicht mal die Ferien. Ich glaub einfach, dass die Leute dann einfach das falsche machen. Mein Abi war sehr gut & ich mach nun eine Ausbildung und da hasse ich die Berufsschule (hätte nie gedacht, dass ich davon so viel habe und das es auch SO unnötig ist, aber dafür LIEBE ich die Arbeit wirklich, es ist so sinnvoll).

    Und wegen der Angst, dass alles auseinander geht: ich sehe die Leute, die ich wirklich sehen will, immer noch und nicht mehr fast nur in der Schule wie früher. Klar, es wird weniger, aber dafür sind die wenigen Treffen auch viel viel schöner. :) Eine gute Freundin von mir ist jetzt zum dritten Mal nach Neuseeland, diesmal mit nem OneWayTicket... und ich hoffe echt, sie kommt wieder, aber man hat immer Kontakt, wenn man will. :) <3

    Hoffentlich liest du das hier überhaupt. Tut mir Leid, dass es so viel ist. Nach dem Abi ist die beste Zeit, glaubs mir. Zwei Monate frei haben & danach sich für das entscheiden, was man wirklich will. :)

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  2. Oh Carla.
    Das ist echt ein schöner Post.
    Mich trifft es zum Glück erst in einem Jahr und ich habe Schiss vor dieser Veränderung in meinem Leben.
    Und ich glaube es ist überhaupt nichts schlimmes zu Hause zu bleiben.
    Das zeigt doch nur, wie gern du zu Hause bist und wie wohl du dich dort fühlst.
    Mir geht es wie dir :) Ich weiß noch nicht ob ich den Mut habe wegzugehen,
    weil ich dafür mein zu Hause viel zu sehr liebe, aber iwie will ich doch ;)
    Auf jeden Fall kenne ich vielleicht so ein bisschen deine innere Zerissenheit :)
    LG Juli von Rahmenlos

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  3. Wie schön geschrieben :)
    Sieht bei ähnlich aus, mit meinem Verhalten, der Entwicklung usw & ich mache nächstes Jahr mein Abi. Mal schauen wie das wird!

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  4. voll der schöne text! bei mir ist das zum glück noch ein bischen hin...

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  5. Hab dich für meinen Liebsten Award nominiert.
    Also wenn du Bock drauf hast ;) Ich würde mich freuen.
    LG Juli von Rahmenlos

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  6. Liebste Carla, dieser Post ist perfekt.

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