19 October 2015

DIE ANGST VORM GESEHEN WERDEN

Photographing the cat
Manche Leute fotografieren ja gerade deshalb gerne, weil sie sich dann hinter der Kamera verstecken können. Ich bin mir sicher, dass das bei mir auch zumindest zum Teil der Fall ist - nämlich wenn es darum geht, wer fotografiert wird. In dem Fall bin ich gerne die Fotografierende.
Aber so oft ich es mir auch vornehme, im Alltag kann ich nicht fotografieren. Ich habe keine Bilder von Feiern oder Ausflügen, weil ich mich nicht überwinden kann, die Kamera vor mein Gesicht zu heben und damit Aufmerksamkeit zu erhalten. In diesen Fällen verbirgt die Kamera mich nicht, sondern hebt mich heraus. Auf einmal fühle ich mich, als wäre alle Aufmerksamkeit unmerkbar auf mich gerichtet und als würde ich alle Leute stören.
Auf meiner To-Do-Liste für die Zeit nach dem Abi steht "Mehr fotografieren" und gleich darunter "Offener werden". Mein Abi habe ich jetzt seit 4 Monaten, mehr fotografiert habe ich nicht. Egal, wie oft ich die Kamera mit dem guten Vorsatz einpacke, die Momente festzuhalten, ich kann es nicht. Am Ende gibt es 2-3 vereinzelte und meist aussagelose Bilder von Bechern oder Blumen. Meine Erinnerungen an diese Tage enden schließlich in geschriebener Form in meinem Tagebuch.
Und ich wünsche mir so sehr, das ändern zu können. Ich wünsche mir, einfach selbstbewusst die Momente festhalten zu können, und dass es mir egal ist, was andere Menschen dabei denken. Dass ich ein Fotoalbum habe, in dem die Momente in Farbe festgehalten sind und nicht nur in meiner krakeligen Schrift, von der ich sicher bin, dass ich sie in 30 Jahren nicht mehr entziffern kann. Ich wünsche mir ein buntes Tagebuch, voller Einträge, die von Bildern umrahmt werden.
Aber ich muss mich ja schon überwinden, meine engsten Freunde einfach so zu fotografieren. Nicht mal, wenn ich schon Wochen davor verspreche "Ja klar mache ich auf deiner Geburtstagsfeier Bilder!" und nicht mal, wenn ich eigentlich weiß, dass man sich über Bilder von sich selbst freut.

Ich hab es letzte Woche geschafft, einen Ausflug zu fotografieren & vor ein paar Monaten eine Taufe. Beim Ausflug war's leicht, weil da auch viele andere fotografiert haben und ich nicht die einzige war. Bei der Taufe war's leicht, weil ich die Menschen nicht kannte und einen Freund dabei hatte, der mich mit einer zweiten Kamera unterstützt hat.
Ich bin es gewöhnt, unsichtbar zu sein und nicht groß aufzufallen - die Kamera versteckt mich nicht, sondern ist für mich wie ein riesiger Scheinwerfer, der nur auf mich gerichtet ist.

2 comments:

  1. Liebe Carla,
    ich glaube du damit sehr schöne Worte gefunden. Ich glaube auch das es vielen so geht. In einigen deiner Punkte habe auch ich mich wieder erkannt. Auch wenn man eigentlich weiß, dass man sich nicht verstecken braucht, kostet es häufig einiges an Überwindung. Ich mache mir zum Beispiel auch häufig Gedanken darüber, was Freunde etc. denken werden, wenn sie einen Post von mir sehen.
    Lg Jasmin (sjasmin.blogspot.de)

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  2. Ich kannn dir nur zustimmen! Es ist echt schwierig solch tolle Momente festzuhalten, weil die Kamera manchmal das ganze auch irgendwie zerstört. Viele fühlen sich ja auch unwohl wenn auf einmal fotografiert wird. Aber vielleicht denkt man das auch nur, weißt du wie ich mein? Klar es gibt Menschen denen ist das echt unwohl, aber wenn man ihnen nachher die Bilder zeit und es sind schöne Bilder dann ist das okay und vielleicht denkt man nur dass es komisch wäre jetzt zu fotografieren, doch man macht es eigentlich selbst komisch und sich viel zu viele unnötige Gedanken. Man wird ja sehen was passiert wenn man es denn einfach macht. :)

    Und vielen Dank für dein Kommentar. Wie süß war der denn bitte?! :D ♥

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